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Geschichte der Stadt

 

Begeben wir uns auf eine lange Reise durch die jahrhundertelange Geschichte dieser Stadt. Die Anfänge einer solchen Reise führen jedoch in die dunklen Gefilde des Mittelalters, wo sich erst Schritt für Schritt klarere und deutlichere Ausblicke vor uns auftun. Die hochgelegene Vorgebirgslandschaft mit ihrem nicht besonders fruchtbaren Boden und ihrem recht rauen Klima gehört nicht zu den Orten, an denen die ersten bedeutenden Siedlungen entstanden und sich die älteste Geschichte unseres Landes entwickelte. Dafür lockte die besondere geologische Beschaffenheit des Geländes seit jeher Bergleute an, die nach Silber- und Eisenvorkommen suchten.

 

Příbram v roce 1829. Akvarel J.Mrkose

 

Die günstige Lage der Stadt

Und die Lage dieses Ortes in der Nähe einer alten Handelsroute zog schon bald auch die Aufmerksamkeit des Prager Bischofs auf sich. Der hiesige Gutshof, der den tschechischen Personennamen „Příbram“ trug – offenbar in Erinnerung an seinen einstigen, ansonsten längst vergessenen Gründer –, gehörte zu Beginn des 13. Jahrhunderts dem adeligen Großgrundbesitzer Hroznata. Hroznats beständiges Interesse galt jedoch anderen Orten: Die meisten seiner Güter lagen weit entfernt, in Nord- und Nordwestböhmen; dort, in Teplá, hatte Hroznata bereits im Jahr 1193 ein Prämonstratenserkloster gegründet und war, in der Absicht, sich dem geistlichen Leben zu widmen, selbst Prior von Teplá geworden. Hroznat schenkte dem neuen Kloster auch alle seine Ländereien. Darunter befand sich auch Příbram, das vom Zentrum aus ungünstig gelegen war; eine günstige Lage hatte es hingegen für das oberste Kirchenoberhaupt in Böhmen, den Prager Bischof. Dieser baute eine einheitliche Verwaltungsorganisation im ganzen Land auf und benötigte für persönliche Besuche in allen Teilen seiner weitläufigen Diözese sichere Übernachtungsmöglichkeiten in angemessener Entfernung von Prag; Příbram lag genau auf halber Strecke zwischen der tschechischen Hauptstadt und dem südwestlichen Grenzgebiet.

 

Der Prager Bischof Ondřej

Und so erwarb der Prager Bischof Ondřej im Jahr 1216 vom Kloster in Teplá den „Gutshof namens Příbram“ und begann hier mit dem Aufbau eines seiner Herrschaftsgebiete. Um die Bischofsresidenz herum entstand eine Kleinstadt mit Marktrechten und der St.-Jakobs-Kirche – das Zentrum des Guts mit mehreren Dörfern. Als im Jahr 1278 der böhmische König Přemysl Otakar II. fiel und im Land langjährige innere Unruhen ausbrachen, begannen die Feinde des Bischofs, die kirchlichen Güter anzugreifen; im April 1289 drangen sie auch in Příbram ein, plünderten die Stadt und töteten oder verschleppten einen Teil der Einwohner; bald darauf, Anfang Juni, folgte ein neuer Einfall. Das Ausmaß der Verwüstung war so groß, dass der Bischof nach dem Ende der Unruhen, irgendwann in den Jahren 1290 oder 1291, neue Siedler unter der Führung des Lokators Přemysl ins verwüstete Příbram holen musste; und dieser wurde dann in der wiederaufgebauten Stadt zum Richter – dem ersten uns namentlich bekannten Vertreter der Selbstverwaltung von Příbram. Es folgte eine lange Zeit des Friedens und des Wohlstands.

 

Erzbischof Arnošt von Pardubice

Der erste Prager Erzbischof Arnošt von Pardubice (1343–1364) ließ in Příbram eine neue kleine Burg aus Stein errichten und hielt sich dort häufig selbst auf; am Stadtrand richtete er ein Spital mit der zweiten Kirche St. Johannes ein. Das Erzbischofsgut wuchs um immer neue Dörfer, das Städtchen am Fuße der Burg gewann an Bedeutung und das Leben darin wurde immer lebhafter. Die Zahl der städtischen Anwesen näherte sich schließlich achtzig. Bereits im 14. Jahrhundert gab es hier auch eine Schule. Im Jahr 1406 bestätigte der Erzbischof durch eine besondere Urkunde feierlich die Rechtssicherheit der Bürger. Die Bevölkerung blieb überwiegend tschechisch. Es gab hier allerdings auch zahlreiche Deutsche, die in der Umgebung Silbererz abbauten. Doch die Erfolge des Bergbaus wechselten sich mit Misserfolgen ab, und so kamen und gingen auch die Bergleute und bildeten eine eigene Gemeinschaft, die sich nicht mit dem sesshaften Bürgertum vermischte.

 

Die hussitische Reformation

Die hussitische Reformation stieß im tschechischen Příbram auf lebhafte Resonanz. Durch die religiöse Revolution wurde der Erzbischofsstuhl frei, und die Stadt blieb ohne Herrscher. Auf der Seite der Hussiten nahmen die Einwohner von Příbram auch an kriegerischen Auseinandersetzungen teil, jedoch ohne Erfolg: Bereits in den Jahren 1421–1422 mussten sie schwer unter den wiederholten Angriffen des katholischen Herrschers Hanuš von Kolovrat leiden, der zeitweise sogar die befestigte Burg von Příbram eingenommen hatte. Příbram, der kirchlichen Herrschaft entzogen, ging in den Besitz des Königs über; dieser verwaltete die Stadt jedoch nicht direkt, sondern verpfändete sie an seine Gläubiger, die sich häufig abwechselten. Ihnen ging es stets um die schnelle Ausbeutung des Guts, das sie nur vorübergehend verwalteten; an dessen langfristigem Wohlstand hatten sie kein Interesse.

Die Folgen waren katastrophal: Die Bürger befürchteten schließlich, dass ihre Gemeinde, ihrer alten Rechte beraubt, zu einem bloßen Dorf verkommen würde. Umso mehr setzten sie ihre Hoffnungen auf den Silberbergbau, der sich hier seit Beginn des 16. Jahrhunderts rasch und in beispiellosem Ausmaß entwickelte. Viele deutsche Bergleute aus dem Erzgebirge kamen in die Stadt, andere gründeten sogar auf dem nahegelegenen Březová-Berg eine eigene Siedlung. Jindřich Pešík, Pfandherr von Příbram, führte im Jahr 1525 für die hiesigen Bergleute das Jáchymauer Recht ein, und man erwartete, dass hier bald eine bedeutende Bergbaustadt entstehen würde. Die kühnen Erwartungen erfüllten sich jedoch nicht. Nach der Hälfte des Jahrhunderts begann der Bergbau wieder rasch zu schwinden. Doch die Hoffnung auf eine positive Wende hielt noch lange an und veranlasste schließlich den Herrscher, im Jahr 1579 den Besitz von der Ausbeutung durch die Pfandgläubiger zu befreien, indem er Příbram zur königlichen Bergbaustadt erhob und das der Obhut eines königlichen Beamten – des Münzmeisters – anvertraut wurde. Seitdem blühte die Stadt Příbram auf, während die kleine Gemeinde Březové Hory, die sich allmählich vertschechisinierte, in ihrem Wachstum stagnierte und eine unbedeutende Siedlung blieb.

 

Příbram se Svatou Horou po třicetileté válce. Rytina M.Küssela, pořízená podle kresby B.Šlajera a otištěná v Balbínově knize Diva Montis Sancti z r. 1665

Einen tiefgreifenden Wendepunkt brachte der Dreißigjährige Krieg von 1618 bis 1648. Die Stadt, die mehrfach von den Armeen beider verfeindeter Seiten geplündert worden war, ging schwer in Mitleidenschaft gezogen aus dem Krieg hervor: Mehr als die Hälfte der Häuser – 97 von 168 – verfiel, die Einwohner, sofern sie die Katastrophe überlebt hatten, waren verarmt. Das Ergebnis des Krieges verurteilte Böhmen, das bis dahin überwiegend utrakvistisch geprägt war, zu einer gewaltsamen Rekatholisierung. In Příbram wurde der religiöse Umbruch noch dadurch beschleunigt, dass die hiesige Marienkapelle „Svatá Hora“ nun in der weiten Umgebung als der berühmteste Wallfahrtsort in Böhmen bekannt war, der nicht nur von großen Menschenmengen, sondern auch vom Adel und von Herrschern reichlich besucht wurde. Der Wallfahrtsverkehr wurde zur Haupteinnahmequelle der verarmten Bürger. Es dauerte ein halbes Jahrhundert, bis sich Příbram vollständig von den Kriegsverwüstungen erholt hatte. Dazu trug auch der erfolgreiche Eisenbergbau bei, der der Stadt um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert eine beträchtliche Einnahmequelle verschaffte. Die Silberminen blieben zwar in Betrieb, brachten jedoch nur magere Erträge; und so gab die Stadt im Laufe des 18. Jahrhunderts nach und nach ihre Anteile an den Kosten und Gewinnen zugunsten des Staates ab, bis sie schließlich nur noch vier Bergbauanteile behielt. Dies sollte sich bald als verhängnisvoller Fehler erweisen.

Die Entwicklung des Bergbaus

Denn gerade zu dieser Zeit, gegen Ende des 18. Jahrhunderts, begann der Bergbau beispiellos erfolgreich zu werden und entwickelte sich in einem völlig ungeahnten Ausmaß weiter. Die Stadt wurde rasch bevölkert und wuchs. Doch nicht im positiven Sinne: Die neuen Wohngebäude waren fast ausnahmslos armselige Bergarbeiterhäuschen, zwischen denen sich Gassen wie Spinnennetze in alle Richtungen vom Marktplatz aus erstreckten. Příbram, weltweit bekannt als Ort des ertragreichsten Silberabbaus in der gesamten Habsburgermonarchie, wurde zum Sitz zentraler Bergbauinstitutionen und Mitte des 19. Jahrhunderts auch einer Bergbauakademie; doch flossen die Gewinne aus dem unermesslichen Reichtum, der hier aus den Tiefen gefördert wurde, zum größten Teil nach Wien. Der Stadt selbst blieb nur jener winzige Bruchteil von vier Bergbauanteilen. Doch selbst dieser reichte in den Jahren der größten Rentabilität der Bergwerke zumindest aus, damit die Gemeinde wichtige weiterführende Schulen errichten konnte: 1874 eine Lehrerbildungsanstalt und 1884 ein Gymnasium – lange Zeit die einzigen Einrichtungen dieser Art in der weiten Umgebung. Die Blütezeit des hiesigen Bergbauunternehmens dauerte hundert Jahre; ab den 1880er Jahren stagnierte der Abbau und begann schließlich zu sinken. Das Bergwerk entließ seine Mitarbeiter; ab der Jahrhundertwende, als die Einwohnerzahl von Příbram 14.000 überschritt, begann auch die Stadt zu schrumpfen. Eine Ironie des Schicksals wollte es, dass gerade in diesem traurigen Moment, im Jahr 1897, das benachbarte Städtchen Březové Hory endlich das ersehnte Ziel seiner langjährigen Bestrebungen erreichte – die feierliche Erhebung zum königlichen Bergbaustadt, also einen Titel, der seinem Träger in der Moderne nicht mehr als eine formale Zierde sein konnte. Die vielversprechenden Perspektiven für die zukünftige Entwicklung, von denen Příbram im 19. Jahrhundert gelebt hatte, verwandelten sich allmählich in nostalgische Erinnerungen an eine glorreiche Vergangenheit, die sich unwiederbringlich entfernete. Dennoch gab es nach wie vor genügend Dinge, die diesen Ort auch in Zeiten des wirtschaftlichen und demografischen Niedergangs außergewöhnlich machten. Die weltberühmten Bergwerke zogen weiterhin zahlreiche Besucher an, und Svatá Hora blieb Ziel zahlreicher Wallfahrtszüge. Und es gab noch eine Besonderheit, die Příbram von anderen Kleinstädten auf dem Land unterschied: eine Vielzahl von Schulen aller Stufen, bis hin zur Bergbauhochschule, und damit auch ein reges kulturelles Leben der Stadt.

Das Uranzeitalter

Die Mitte des 20. Jahrhunderts bedeutete in der Geschichte von Příbram eine neue Wende. Das beginnende Uranzeitalter im Schatten des Kalten Krieges läutete eine neue Ära des lokalen Bergbaus ein – die rasante Entwicklung des Uranabbaus und damit auch das erneute Wachstum der Stadt. Doch es schien, als liege ein seltsamer Fluch über den Příbramer Bergwerken: Waren im vorangegangenen Jahrhundert die enormen Gewinne aus ihnen fast vollständig in die Hauptstadt des Habsburgerreichs abgeflossen, so war es nun die despotische östliche Supermacht, die sich dieser Gewinne vollständig bemächtigte. Und ihre Herrschaft über die Tschechoslowakei prägte auch das Erscheinungsbild des sich wieder bevölkernden Příbram. Die berüchtigte „stalinistische“ Architektur breitete sich aus, mit ihren düsteren, kasernenartigen Fassaden. Um die Schächte und Baustellen herum ragten bedrohliche Barrieren aus Stacheldraht empor, mit Wachtürmen, auf denen bewaffnete Aufseher über die Sklavenarbeit der Strafgefangenen wachten. Doch auch das öffentliche Leben außerhalb des Stacheldrahts bekam seine wachsamen Wächter.

Das kulturelle Niveau der Stadt sank. Aus Svatá Hora wurden 1950 die Redemptoristen, die Verwalter des Klosters, vertrieben; neun Jahre später wurde am gegenüberliegenden Hang feierlich ein Theater eröffnet, dessen Neubau angeblich ein symbolisches Gegenstück zur Kirche von Svatá Hora bilden sollte. Das tat er jedoch nicht. Das Theater wurde nicht zur marxistischen Konkurrenz von Svatá Hora, wie es die ideologischen Strategen erwartet hatten. Das Theater blieb ein Theater, genauso wie die Kirche eine Kirche blieb – denn der Mensch blieb ein Mensch, mit einem unbezähmbaren Verlangen nach Freiheit und geistigen Werten. Und so begann man trotz widriger Umstände auf Initiative einzelner Personen im Laufe der Zeit in der Stadt doch wieder, an alte kulturelle Traditionen in der Musik, in der Wissenschaft und in der regionalen Arbeit anzuknüpfen. Als die Tschechoslowakei im November 1989 zur Freiheit erwachte, stand Příbram erneut an der Schwelle zu einer neuen Epoche. Die großen Bergbauunternehmen, die alten Silber- und Bleiminen sowie die modernen Uranerzbergwerke sind verschwunden.

 

Die Gegenwart

Die heutige Stadt ist keine Bergbaustadt mehr. Sie bleibt jedoch eine Pilgerstadt und ein Denkmal für die reichen Bergbautraditionen. Sie entwickelt sich zu einem Zentrum der wissenschaftlichen Forschung über die Geschichte der Uranindustrie und über die Geschichte des dritten, antikommunistischen Widerstands. Sie beginnt, ihre außergewöhnliche Geschichte und die gegenwärtigen Möglichkeiten umsichtig zu nutzen, um ihren Einwohnern ein sicheres und kulturelles Zuhause zu bieten und ihren Besuchern interessante und angenehme Eindrücke zu vermitteln.

Die Bürgermeister von Příbram seit 1850

Aktualisiert: 6. 8. 2021 v 13:39:33

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